Auf Dagersheim ist doch Verlass!

Die Liedermacherin Friedel Kehrer

Obwohl die Mundart-Dichter und Dichterinnen um Dr. Wolfgang Wulz aus Herrenberg und andere Dialektfreunde  die Literaturtage schon kräftig bespielt hatten, wie zum Beispiel mit

  • einem schwäbischer Abend im Reussenstein in Böblingen, der rasch ausverkauft war
  • einem schwäbisch-lyrischen Abend in der Zehntscheune in Dagersheim
  • der beliebten schwäbische Comedy von und mit Jörg Beirer im Alten Amtsgericht
  • der Mund.Art Poesie in der Stadtbibliothek in Sindelfingen
  • und der schwäbischen Band Gradraus im Sindelfinger Pavillon

war auch das letzte Angebot zum Babble, Schwäddsa und Schnurre ein echter Renner. Fünfundzwanzig Besucher hatten sich angemeldet, geschätzte einhundert kamen in die stimmungsvolle Zehntscheune in Dagersheim.

Experten können eben beides: Schwäbisch und Hochdeutsch

Sie kamen sicher auch des köstlichen Kuchens der Schäferhunde-Freunde und des liebenswerten Dagerschen Zusammenhalts wegen, aber ganz sicher auch, weil sie treue Fans der Liedermacherin Friedel Kehrer und des Spitznamen-Experten Dr. Wulz sind. Launig erklärte letzterer, warum die einen Knöpfleswäscher (die Herrenberger)  und die anderen Bachscheißer (die Aidlinger) genannt werden. Geradezu gruslig war die Zungenverdrehung, die der gebürtige Heidenheimer vorführte. Hätte er in diesem doch sehr speziellen Idiom weitergemacht, hätte ich vorzeitig gehen müssen, alldieweil ich nix davon verstanden hätte. Aber echte Experten können eben beides. Zum Glück!

Das kraftvolle, schwäbische Gemüt

Anders Friedel Kehrer – deren klare Artikulation und gefühlige Stimme ließ einen andächtig lauschen und am Ende auch (meist) verstehen. So zum Beispiel diesen köstlichen Satz, den eine von der Alb gelassen ausspricht: Lieber ein Schneck im Salat als ein Stuttgarter auf dem Hof (bitte ins Alb-Schwäbische übersetzen, wers kann…)!

Dr. Wulz im Gespräch mit Dr. Belz, OB-Kandidat in Böblingen

Es war ein rundum gelungener Nachmittag, und auch das letzte Lied, das gemeinsam gesungen werden sollte (wobei die Dagerschen leider schwächelten), traf auf den Punkt genau die ahnungsvolle Stimmung beim Abschied aus dem Flecken:

Es schneielet, es beielet,
es goht an kalder Wend.

Der Leseherbst und die Literaturtage enden. Der Winter ( damit Weihnachten) kommt.

(Zitiert nach dem Internet, in dem man wirklich alles findet, wenn man nur lange genug sucht.) Fotos: Andrea Vogelgsang.  Vollständiger Songtext. Zum Verein für Schwäbische Mundart.

schreibt seit 2000 vor allem Kurzgeschichten kriminaler Prägung. Eigener Blog unter www.nessaaltura.de. Freut sich, "dass bei den Literaturtagen viel Regionales geboten wird".

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