Mord oder Liebe?

Herzflattern oder Herztod, Liebe oder Mord?

Adriana Popescu, Bärbel Schlegel und Sybille Baecker (v.l.n.r.)

Bei der Veranstaltung „Verbrechen & Liebe“ am 04.11.2017 um 19:30 Uhr im Oberlichtsaal bei der Stadtbibliothek Sindelfingen ging es genau darum. Zwei Frauen, die unterschiedliche Literatur schreiben, tauschten sich im moderierten Gespräch von Bärbel Schlegel, bekannt aus dem SWR, aus.

Sybille Baecker schreibt Kriminalromane.

Ein Krimi…wenn man ihn liest, fiebert man mit, sucht ebenso nach dem Täter wie meist ein Ermittler, lernt Zusammenhänge kennen und Hinweise zu sammeln. Grausige Taten, psychologisches Wissen, die Suche nach den Hintergründen und natürlich bisweilen auch Randgeschichten und ausgereifte Charaktere sind hier vordergründig.

Adriana Popescu schreibt Liebesromane für alle Altersklassen.

Wenn man einen Liebesroman liest, fiebert man ebenso mit. Man lacht mit, man weint mit, man will, dass alles gut ausgeht und das Herz und die Liebe siegen. Eine Sehnsucht nach Harmonie wird hier erfüllt, manchmal auf freche, langsame, oder problemreiche Weise – ein Thema gibt es doch immer.

Beide Autorinnen sprachen über ihre Werke und ihr Werken und ließen das Publikum mit Witz und Charme an ihrem Leben und ihrer Person Einblick gewinnen. Die erste Kurzgeschichte von Frau Baecker war zum Beispiel gar kein Krimi, sondern eine Geschichte über das Glück. Einwurf von Frau Popescu nun: „Wir kriegen sie alle!“, deren Anfangsgeschichten Fortsetzungsgeschichten waren mit gewünschterem Ausgang bzw. Weitergang als in der Wirklichkeit (schlimm: Die Auflösung der Band Take That!).

Knobeln Sie gerne?

Frau Baecker macht das Knobeln wie auch das Knobeln lassen großen Spaß. Ihr großes Vorbild ist „Der Pate“. Sie schreibt hauptsächlich „hier im Ländle“, lässt ihren Kommissar immer wieder etwas herumkommen, damit er die Gegend kennenlernt. Auch steht sie in Kontakt zu Staatsanwaltschaft, Gerichtsmedizin und der Polizei (man sollte sich also nicht mit ihr anlegen), um immer mal wieder etwas zu recherchieren bzw. genauer nachzufragen und der Sicht der Ermittler näher zu sein.

Die Welt braucht Liebe

Frau Popescu, die bisher immer die Liebe als Thema in ihren Geschichten hatte, schreibt dies auch als Ausgleich. Wenn die Welt nur von Mord handeln würde, würde etwas fehlen. Sie schreibt auch gern für Jugendliche, da diese kritischer sind als man glaubt, aber auch sehr offen. Sie erzählt, dass Fantasy und Liebe bei Jugendlichen am meisten gelesen wird, „weil‘s einfach schön ist“. Die Sprache ist hier schwierig, denn wenn man nur einen auf jugendlich macht, dann merkt die Zielgruppe das schnell. Zumal die Sprache auch sehr schnelllebig ist. Ausgangspunkt ist bei ihren Personen und Büchern immer Stuttgart. Sie glaubt, dass jede Liebesgeschichte im Kern Romeo und Julia ist. Gern baut sie auch Probleme ein, da sonst das Buch allzu schnell vorüber wäre. Der Weg zur Liebe ist eben manchmal steinig…

Warum eigentlich?

Frau Baecker hat einen ebenso steinigen Weg in ihren Büchern vom Leichenfund zum Motiv. Das Schwierigste sei vor allem immer das „Warum“. Es muss immer ein gutes Motiv geben, das Hand und Fuß hat. Sie beginnt mit intensiver Recherche zum Beispiel nach der Todesursache (wo sie dann auch mal Spezialisten zu Rate zieht) oder dem Milieu, in dem alles angesiedelt sein soll, bevor sie dann überhaupt anfängt zu schreiben. Auch die Namen der Personen seien nicht unwichtig. Sie ist übrigens sehr für Gleichberechtigung, weswegen es immer wechselnde Leichen gibt beiderlei Geschlechts, und sagt, dass die Realität grausamer ist als im Buch zu lesen.

Der Dialog und das Fazit

Beim Thema Umschlaggestaltung lassen sich beide nicht einfach alles aufbrummen, sondern wollen etwas zum Buch Passendes (oder: wollen absolut nicht etwas NICHT zum Buch Passendes). Frau Popescu sagt dazu, das sei „wie wenn man ein Kind anzieht für den ersten Schultag“ und nennt sich bekennende Coverkämpferin.
Jeder aus der Zuhörerschar hat zu Beginn einen Zettel und einen Stift bekommen, auf die Fragen geschrieben werden konnten, die am Ende dann eingesammelt, vorgelesen und auch beantwortet wurden. Zwischendurch gab es außerem kleine Ausschnitte aus den mitgebrachten eigenen Büchern vorgelesen.
Auch wenn beide als Hauptmotiv unterschiedliche Themen behandeln, so merkt man doch, dass ihr Leben und die Schreibarbeit an sich sich sehr ähneln.

Nun bleibt nur noch die Frage:
Welches Genre bevorzugen SIE? 😉

Buchtipps:
Sybille Baecker: Ausstieg rechts
Adriana Popescu: Lieblingsmomente; Paris, du & ich (schreibt auch unter Pseudonym Carrie [„nicht-Katie“] Price)

Die Krimiecke…
…gefolgt von der Liebesecke direkt daneben

Fotos: Elisabeth Winkler

http://www.sybille-baecker.de/

http://adriana-popescu.de/

27 Jahre alt, Mitarbeiterin in der Sindelfinger Stadtbibliothek seit 2016. Findet gut, „auf ganz unterschiedlichen Kanälen das Interesse für Literatur zu wecken."

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