Endspurt II

Nun sind sie fast schon herum, die 34. Baden-Württembergischen Literaturtage…noch dieses Wochenende und dann fällt der Vorhang. Viele werden dabei Bedauern empfinden – hatte man doch davon gehört und dann doch nicht rechtzeitig das (gedruckte) Programm aufgeschlagen. Oder aber man hatte sich die Vortragenden, Interviewten, Lesenden, Vorführenden und Workshopleiter (und hier sind natürlich auch immer die weiblichen Kreativen mitgemeint) angestrichen und sich dann doch nicht die notwendige Zeit genommen, den Termin vergessen, etwas anderes priorisiert, den Abstieg vom Sofa nicht geschafft. (Bitte die korrekte Antwort ankreuzen!)

Vor dem Auftritt

So ist es ja oft bei uns, wenn Angebote neu sind. Das ist normal, das ist menschlich. Um so erfreulicher fand ich es, dass die Veranstaltungen, die ich erlebt habe, eigentlich immer gut besucht waren. Mit Ausnahme vielleicht von Peter Prange, der mehr Publikum verdient gehabt hätte – allerdings gab es da zeitgleich die Preisverleihung an Felix Huby. All unserer internationalen Science Fiction Lektüre zum Trotz: Ubiquitär sind wir Schwaben und Schwäbinnen noch nicht.

Ich denke, dass die Fünften (oder die Fünfzehnten) Literaturtage in Böblingen und Sindelfingen rappelvoll wären. Bisher ist die Literatur mit ihren Lesungs- und anderen Darbietungsmöglichkeiten bei uns noch nicht so richtig angekommen – während wir auf allen anderen Kunstfeldern durchaus mithalten können mit der Konkurrenz – , aber so mancher hat ja jetzt Blut geleckt. Man denke nur an das alljährliche Gastronomieangebot am See! Das musste auch erst wachsen. Oder an das Pianistenfestival, das uns demnächst die Wintertage wieder erhellen wird.

Zwei, die sich fast nichts entgehen ließen: das Ehepaar Schühle

Schön war an diesen Tagen auch, dass so viele motiviert werden konnten, selbst etwas zu machen. Ob es nun das Papierschöpfen war, oder (statt des Schlemmens) mal das Slammen, das Stadt- oder Waldspazieren oder das Kalligrafieren. Alles, was etwas entstehen lässt, das vorher nicht vorhanden war, macht Spaß, fördert das Selbstvertrauen und die eigene Zufriedenheit. Man wird dann wie selbstverständlich zum Urheber – ob allerdings die „Schöpfungshöhe“ ausreicht, um Tantiemen zu erzielen, ist eine andere Frage (die müssen am Ende Käufer und/oder Juristen klären).

Mein vorläufiges Fazit: Das Angebot war gut durchmischt, die Stimmung gelöst, die Nachfrage irgendwo zwischen verhalten-vorsichtig und höchst-erfreulich. Und unser Böblinger Kulturamtsleiter (das Sindelfinger Pendant sicher ebenfalls) hatte sichtlich Vergnügen am Job!

Während des Auftritts

Fotos: Andrea Vogelgsang (Star Cooperation, Stadtbibliothek, Altes Amtsgericht). Zur Möglichkeit des Ubiquitären, bzw. des Überall-Gleichzeitig Seins. Zum Böblinger Pianistenfestival 2018.

schreibt seit 2000 vor allem Kurzgeschichten kriminaler Prägung. Eigener Blog unter www.nessaaltura.de. Freut sich, "dass bei den Literaturtagen viel Regionales geboten wird".

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.