Hermann Bausinger in der Zehntscheuer

Am Sonntag Morgen war der Kulturwissenschaftler Hermann Bausinger, begleitet von seiner Frau, in der Zehntscheuer in Böblingen zu Gast. Er wollte über sein neuestes Buch, eine schwäbische Literaturgeschichte, sprechen. Eine wahrhaft verdienstvolle Forschungsarbeit, gibt es doch viele schwäbische Autorinnen und Autoren, die nicht zum Kanon der großen deutschen Literatur zählen, aber eben doch nicht unbeachtet bleiben sollten.

Er wolle, so sagte er, weniger die einzelne Fische fangen, sondern die großen Strömungen nachzeichnen. Und er sprach vor dem dekorativen Triptychon von Hans Bäurle, das Teil der gegenwärtigen Jubiläumsausstellung von Galerie und Bauernkriegsmuseum Böblingen ist.

Hermann Bausinger, über 90 Jahre alt und ganz bei sich

Hermann Bausinger ist 1926 in Aalen geboren, hat sich 1959 in Tübingen habilitiert und wurde ein Jahr später zum Professor ernannt. Er baute den Lehrstuhl für Volkskunde zum Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft aus, dessen Direktor er bis zu seiner Emeritierung vor 25 Jahren war.

Man durfte staunen. Wie wach so ein über neunzigjähriger Professorenkopf doch ist! Wie sauber er seine langen Sätze zu Ende brachte und wie luzide er über sein literaturwissenschaftliches Sujet reden konnte! Zum Schlusswort legte er ungerührt die Armbanduhr um sein Handgelenk, und schloss gekonnt die Schließe, während er immer weitersprach.

Dicke Fische

Man erfuhr durchaus Neues. Natürlich fing er im Verlaufe seiner Ausführungen doch einige größere Fische. Man lernte, dass nicht nur Goethe, sondern auch unser Schiller Casanova-Qualitäten hatte… Und dass alle seine Königsdramen im Kern Familienzwiste seien, mit denen er sich offenbar gut ausgekannt haben muss. Kurzum, es lohnt sich bestimmt, das neue Buch nicht nur ins Regal zu stellen, sondern auch zu studieren. Dick ist es nicht (etwas über 400 Seiten) – das sollte zu schaffen sein.

Foto: Alexander Vogelgsang. Zum Buch  Eine schwäbische Literaturgeschichte, zu einem Artikel der FAZ zum Thema

schreibt seit 2000 vor allem Kurzgeschichten kriminaler Prägung. Eigener Blog unter www.nessaaltura.de. Freut sich, "dass bei den Literaturtagen viel Regionales geboten wird".

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.