Kalligraphie – eine alte Kunst

Künstlerin Renate Mildner-Müller führt uns in die hohe Kunst der Kalligraphie ein

Am 28.10.2017 fand von 14-18 Uhr im Stadtmuseum Sindelfingen die Veranstaltung „Dem Schreiber über die Schulter schauen“ statt. Zu dieser wollte ich unbedingt gehen, da ich selbst ein Kalligraphie-Set daheim besitze und auch schon bei einem Chinesisch-Sprachkurs chinesische Kalligraphie mit Pinsel und Tusche „gemalt“ habe. Es ist tatsächlich viel mehr ein Zeichnen als ein Schreiben, eine eigene Kunst also für sich.

Hier ging es um lateinische Schriftzeichen. Man konnte beispielsweise seinen Namen schön schreiben!

Was ist wichtig?

Zu Beginn gab es eine Einweisung und viele Erklärungen. Bei der Kalligraphie (aus dem Griechischen, kallos – schön) gibt es immer 2 Dinge, die man beachten muss:
Als Erstes die Federhaltung, die einer bestimmten Gradzahl entsprechen muss (30-45°), die man auch niemals ändern darf (geschweige denn die Feder umdrehen).
Als Zweites das richtige Maß, die Proportion (es wird in Federbreite gemessen).

Aus Tinte wird Kunst

Verschiedene Kursmaterialien standen bereit

Es wurde auch auf die verschiedenen Tintenarten eingegangen. Mönche z.B. schrieben oft mit Dornentinte, einer aus Schlehenbüschen gewonnenen Tinte, bei der die Schlehen 11 Stunden in Wein gekocht werden. Wichtig ist auch, dass die Tinte immer sehr nah steht, da man sie ständig braucht. Die Buchstaben an sich brauchen viel Raum und man sollte sich auch Zeit lassen. Man kann sich vorstellen, wie lange die Kalligraphen früher für ein schön gestaltetes Buch gebraucht haben. Zumal kein Fehler darin sein darf! Denn dann muss man wieder von vorne anfangen, so weit man auch war…

Verschiedene Arten zu schreiben

Geschrieben werden konnte zum Beispiel mit einem hohlen Bambusstab, einer Metallfeder (die auch heute noch im Einsatz ist), einer Notenfeder (Mozart höchstpersönlich hat seine Noten mit einer Notenfeder selbst gezeichnet!) oder einer Spitzfeder. Es gilt, dass man nur durch den richtigen Druck und das genaue Wissen von diesem bestmögliche Ergebnisse erzielen kann. Auch und gerade bei Initialien wurde und wird genau überlegt, was man für Ansätze macht und ob man Schnörkel hinzufügt oder es doch etwas weniger verspielt hält, aber dennoch mit eigener Note. Modern kann man zum Beispiel Rauten oder Anderes in die Striche hinzufügen.

Ansichtsexemplare, gestaltet von Frau Mildner-Müller

Kalligraphie wird geübt

Wir haben nun alle verschiedene Vorlagen mit dem Alphabet zum Nachzeichnen bekommen und durften das selbst üben, zunächst mit einem kleinen Holzstab, da man durch ihn am besten übt, das richtige Gefühl für Haltung und Tinte bekommt und die Anatomie der Buchstaben deutlich besser lernt als mit einer sehr viel kleineren Feder.
Nur wenige Fachgeschäfte führen noch speziellere Federarten, es ist also eine Kunst, an die man nicht mehr so leicht rankommt.

Doch es ist immer eine schöne Geschenkidee, einen Gutschein kalligraphisch auszugestalten, oder gar eine Grußkarte. Das ist eine wunderbare Verbindung mit dem aus Hand geschöpften Büttenpapier (aus dem Papier-Workshop gibt es hier im Blog ebenfalls zu lesen).
Wer noch eine schöne und durchaus andere, künstlerische Geschenkidee z.B. für Weihnachten sucht, dem ist nun gerne geraten, sich doch mal an dieser wunderschönen „Schrift“ bzw. Art, diese zu zeichnen, zu versuchen!

So bleibt nur noch gesagt:

🙂

Die letzte Literaturtage-Woche ist nun übrigens angebrochen! Werfen Sie gerne noch einen Blick ins Programm, auch diese Woche steht wieder Mannigfaltiges auf dem Plan!

Buchtipp:
David Harris: Die Kunst des Schreibens – Eine Anleitung zur Kalligraphie

Fotos: Elisabeth Winkler

www.schreibarbeit2017.de

27 Jahre alt, Mitarbeiterin in der Sindelfinger Stadtbibliothek seit 2016. Findet gut, „auf ganz unterschiedlichen Kanälen das Interesse für Literatur zu wecken."

Eine Antwort auf „Kalligraphie – eine alte Kunst“

  1. also frau winkler ich lese sehr gerne ihren blog und freue mich immerwieder auf neue texte da es echt spaß macht alles zu lesen und man deutlich sieht wie sehr ihnen das schreiben gefällt und wie sehr sie bücher mögen mfg Skelfir

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