Denis & Jane

Denis Scheck beim Signieren im Alten Amtsgericht

Am Samstag Abend präsentierte der aus TV und Rundfunk bekannte Literaturkritiker Denis Scheck im Alten Amtsgericht in Böblingen seine Jane-Austen-Show. Der Saal war voll besetzt, die Erwartungen hoch.

Denis Scheck ist ja Schwabe, was man seiner leicht nasalen Diktion deutlich anhört, lebt aber in der Medienstadt  Köln. Im Dunkel fühlt man sofort Heimat, wenn man seiner unnachahmlichen Art sich auszudrücken, lauscht. Schnell, präzise und elegant formulierend – ein echter Profi der Literaturvermittlung. Er lacht dabei schelmisch, flirtet durchaus mit dem Publikum, aber bleibt seriös in seinem Anliegen: Jane Austen und ihre messerscharfe Gesellschaftkritik zu feiern. Und zwar gerade in diesem Jahr 2017 – ihrem 200. Todesjahr.

By a Lady

Zwei Millionen Bücher verkaufe die englische Autorin, die unter dem Pseudonym „by a lady“ veröffentlichte, noch immer jährlich. Ihre Romane würden vielfach als Liebesromane gelesen und geliebt, kreisten aber in Wirklichkeit – neben den klassischen Themen Liebe und Tod – um die

Original-Titelblatt des Jane Austen Romans

materielle Abhängigkeit, ganz besonders der unverheirateten Frauen in der Zeit, die man heute „Regency“ nennt. Denis Scheck las dazu aus einem Kapitel aus „Verstand und Gefühl“ (Sense and Sensibility) vor, indem es für einen Sohn darum geht, das väterliche Testament so zu interpretieren, dass für die Schwestern, für die es eigentlich formuliert worden war, so gut wie nichts übrigbleibt.

Das Urheberrecht

Im Anschluss an die Lesung gab es etliche Fragen aus dem Publikum. Das Thema Erbe und Gewinn fiel auf fruchtbaren Boden, hierzulande keine Überraschung. Auf die Frage, wer eigentlich den Erlös der zwei Millionen Bücher, die anfangs erwähnt wurden, einstecke, wurde Denis Scheck lebhaft: Er kenne viele reiche Verleger, aber noch viel mehr arme Autoren. Da das Urheberrecht 70 Jahre nach dem Tode des Urhebers erlösche, könnten sich die Verlage nach Belieben an den Texten der Jane Austen bedienen. Zuletzt sei eine großartige neue Übersetzung erschienen, es fehle aber noch die Übertragung ihrer aufschlussreichen (und spöttischen) Briefe ins Deutsche.

Wäre das nicht eigentlich eine schöne Aufgabe für den Austen-Fan und Anglisten Denis Scheck himself?

Fotos: Andrea Vogelgsang, wikipedia. Zu Jane Austen. Zu Denis Scheck. Zum Urheberrecht, in Deutschland und anderswo.

schreibt seit 2000 vor allem Kurzgeschichten kriminaler Prägung. Eigener Blog unter www.nessaaltura.de. Freut sich, "dass bei den Literaturtagen viel Regionales geboten wird".

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