Peter Prange und seine wunderbaren Jahre

Am Freitag war der Schriftsteller Peter Prange in der Böblinger Stadtbibliothek am runden Tisch zu Gast. Bekannt ist er uns allen durch seine umfangreichen (im Schnitt 500 Seiten (!)) historischen Romane. Was nun ganz neu ist, ist die Tatsache, dass sein neuestes Buch nicht nur den doppelten Umfang hat, sondern der Autor auch darin auftaucht: Unsere wunderbaren Jahre.

Das Märchen von Altena

Der Autor nennt es ein Märchen. Die Wirtschaftswunderjahre im (ganz und gar nicht erfundenen) Ort Altena werden darin liebevoll ausgebreitet, anhand einer Reihe von Figuren, die Peter Prange seit seiner Jugend in der Region zwischen Ruhrgebiet und Sauerland begleitet haben, fiktiv oder tatsächlich. Heute kehrt er zum Feiern (ah, diese unvergleichlichen Schützenfeste!) dahin zurück, lebt aber zum Arbeiten und „Schaffe“ (sic!) in Tübingen. Wenn er nicht auf Reisen ist und andernorts Preise oder Nominierungen entgegen nimmt, wie heute in Ingolstadt, wie er mir verriet.

Schreiben und Lesen

Autoren sind eilige Menschen, die nur beim Schreiben Ruhe finden. Und, wie Peter Prange erzählte, auch wochenlange Schreibblockaden aushalten müssen.  „Geschrieben habend“, so sagte er, das sei der allerbeste Zustand. Und Lesen, ja, das mache auch Spaß.

Tempo, Tempo: Wir feiern das Wirtschaftswunder!

Dann muss es , wenn alles gut läuft, schnell gehen:  Der Autor sprach in einer Minute mehr Sätze aus als ein ein durchschnittlicher Schwabe Wörter, er sang mitreißend Schlager von Anno 48, beneidenswert takt- und melodiesicher, er imitierte das Deutsch des zuständigen britischen Majors so überzeugend, dass Pfeife, Schnurrbart und Whisky (nicht doch – Eierlikör! Wir sind in Nordrhein-Westfalen…) sofort imaginiert werden konnten. Wie er überhaupt filmisch schreibt, in unseren Köpfen vorgestanzte Bilder aktiviert und ausstaffiert und seinem Romanpersonal girlandenhafte Verwicklungen zumutet. Uff!

Die Leiterin der Stadtbibliothe BB, Christina Koch

Das Buch dürfte höchstes Vergnügen bedeuten für Leseratten, die gerne hinabtauchen in dieses Mal nicht so ferne Welten, sondern in Zeiten, die sie womöglich noch selbst erlebt haben. Bei knapp 1000 Seiten lohnt der Einstieg… Vorsicht: Viel Zeit einplanen für eigene Erinnerungen!

Mehr zu Peter Prange und Altena. Zum Autor selbst. Zu seinen Büchern und Terminen. Und hier der Trailer zum Buch der wunderbaren Jahre.

schreibt seit 2000 vor allem Kurzgeschichten kriminaler Prägung. Eigener Blog unter www.nessaaltura.de. Freut sich, "dass bei den Literaturtagen viel Regionales geboten wird".

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