Weberei und Modelesung

Aus der Reihe „Schwäbische Erfinder & Tüftler“ fand am 25.10.2017 um 19:30 Uhr im Webereimuseum Sindelfingen die zweite Lesung statt: „Einfach chic! Über 40 weltberühmte Modeklassiker aus Baden-Württemberg“ von Sabine Ries.

Das Thema der Lesung!

Haus der Handweberei

Im Webereimuseum angekommen gingen wir erst einmal in den ersten Ausstellungsraum, in dem der berühmte Jacquard-Webstuhl steht. Dies ist einzigartig für Sindelfingen und die Lochkartentechnik am Webstuhl ist der Vorgänger für die Computertechnik!! Das bekannte Modeunternehmen Dolce & Gabbana verwendet die alten Lochkarten übrigens auch heute noch.

Jacquard-Webstuhl

Es gab eine kleine interessante Einweisung und Informationen in gemütlicher Runde, bevor es dann losging zur Lesung. Wussten Sie, dass auch Korsetts früher gewebt wurden? Oder Sindelfingen eine Hochburg für Seidenweberei war? Auch ich war wieder ganz gefangen und wollte unbedingt wieder weben, so wie ich es in meinen Kindheitstagen mit Spaß von meiner Mutter gelernt und selbst kleine Teppiche schon hergestellt hatte.

Die Lesung

„Man könnte sich komplett von Kopf bis Fuß in Mode aus Baden-Württemberg einkleiden, ohne dass man sich schämen müsste.“ (Zitat Sabine Ries)

Sabine Ries liest aus ihrem Buch

Unter diesem Motto fand die Lesung statt. Es ging um Unterwäsche und Socken, Lederbekleidung und Schirme, Kinderbekleidung und Hosen.

Zu Beginn kam ein Mann herein, der erst einmal von allen (bisher wenigen) Anwesenden (wohlgemerkt Frauen) angeschaut wurde. Doch es gesellten sich noch weitere hinzu später! Nicht allein aber auch deshalb ging es bei Sabine Ries nicht nur um Unterwäsche (männlicher Kommentar: „Dafür sind wir Ihnen dankbar!“). Mode ist ein Thema, das alle etwas angeht, noch dazu, wenn es so interessant und hübsch verpackt ist wie bei Sabine Ries, mit zahlreichen Anekdoten und anderen kleinen Geschichten am Rande.

Frau Ries präsentierte sich publikumsnah und offen

Am Anfang gab es einen Zeitstrahl, auf dem von 1823 bis 2013 verschiedenste Unternehmen vorgestellt wurden (Ganz wichtig: 1965 ist Harald Glööckler zu finden! Der übrigens das Vorwort zu Frau Ries‘ Buch geschrieben hat). Auf manche davon wurde dann näher eingegangen. Zum Beispiel Hugendubel (von anderen auch als schwäbisches Wort für Schirm wahrgenommen) als ein wahrer Vorreiter. Auch das Publikum wurde oft mit einbezogen und wusste teils auch kleine Geschichten oder Werbesprüche zum Besten zu geben und mit seinem Wissen zu glänzen. Dies zeigt, wie tief die Unternehmen doch verankert waren und sind.

Werbungen und lustige Geschichten

Auf die kreativen Werbungen und Werbesprüche an sich wurde viel eingegangen (wenn man bei Hugendubel bleibt, so gibt es vom Gehologen und Schirmologen ein Rezept zum Spazierengehen! Natürlich nur mit einem Schirm von Hugendubel.)

Oder wer kennt noch Bleyle aus Stuttgart? Die Firma führte Standardgrößen überhaupt erst ein! Burda-Moden aus Offenburg von Powerfrau Aenne Burda war von Beginn an eine Größe, mit 100.000 Exemplaren der allerersten neuen Modezeitschrift ein gewagtes Unterfangen und dennoch ging es auf. Auch heute noch wird die Zeitschrift sehr gern gelesen.

Oder diese Werbung hier?

Auch die Letzgo Zehensocken wurden erwähnt (gibt es jemanden, der kein Exemplar davon besitzt oder nicht zumindest davon gehört oder sie mal gesehen hat?), die es anfangs sehr schwer hatten, bis der SWR irgendwann auf sie aufmerksam wurde (kundige Blogleser werden jetzt eine Verbindung zur Actionbound-App „Literarischer Spaziergang“ im Rahmen der Literaturtage bemerken), wodurch dann alles seinen Anfang nahm.

Frau Ries gab immer auch besondere Tipps, wo man was noch finden kann, ebenso schöne Ausflugstipps für Museen oder Anderes. Eine „Modelesung“ inmitten vieler Webstühle zu machen ist eine hervorragende Idee gewesen und trug ebenso zur Atmosphäre bei.

Die Webstühle im Saal sind alle auch heute noch im Einsatz!

Die dritte und letzte Lesung aus der Reihe „Schwäbische Erfinder & Tüftler“ findet übrigens nächste Woche statt:
Was?: „Einfach genial! Über 40 weltberühmte Erfindungen aus Baden-Württemberg“, Lesung von Sabine Ries
Wann?: 01.11.2017, 19:30 Uhr
Wo?: Oberlichtsaal, Stadtbibliothek Sindelfingen, Rathausplatz 4
Eintritt frei.

Wer mehr über den Jacquard-Webstuhl oder überhaupt die Technik und Kunst des Webens wissen will, sollte das Webereimuseum in Sindelfingen besuchen! Es werden übrigens auch Schnupperkurse für Kinder angeboten, einfach informieren und vielleicht ein neues Interesse kennenlernen!

Buchtipps gibt es ebenso noch:

Bücher von Sabine Ries im tollen Format und mit vielen Bildern
  • „Einfach chic! Über 40 weltberühmte Modeklassiker aus Baden-Württemberg“
  • „Einfach genial! Über 40 weltberühmte Erfindungen aus Baden-Württemberg“
  • „Einfach schwäbisch! 40 Einblicke in die schwäbische Seele“

 

Fotos: Elisabeth Winkler

www.schreibarbeit2017.de

www.haus-der-handweberei.de

27 Jahre alt, Mitarbeiterin in der Sindelfinger Stadtbibliothek seit 2016. Findet gut, „auf ganz unterschiedlichen Kanälen das Interesse für Literatur zu wecken."

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