Waldliteratur – Wort, Dur, Moll und ein Hund

Förster Markus Klas (links) und Doris Leddin (Mitte) bei der Begrüßung

Ein einfacher Waldspaziergang kann so schön sein…warum nicht einen mit Literatur zusammen erleben?

Der Treffpunkt „Schranke“ für den Waldspaziergang „Wald in Wort, Dur und Moll“ am 21.10.2017 um 12 Uhr war, so dachte ich, einfach zu verfehlen, hatte ich doch beim Hinkommen mindestens 3 Schranken an der genannten Straße gesehen, doch da niemand dort stand, musste man einfach immer weiter und tiefer hineingehen, an allen Schranken vorbei, zum Wald und Wasserturm hin, wo man dann auch schon, noch bevor man die endgültige und schicksalsträchtige Schranke erblickte, von Weitem eine riesige Menschenmenge sah. Selbst die Veranstalter waren überrascht von dem hohen Aufkommen.

Nach einer kurzen Begrüßungsrunde ging es dann auch schon in flottem Schritt auf den Waldpfad und das Abenteuer nahm seinen Lauf…

Pfad ins Ungewisse

In einem mystischen Buchenhain, der zum Verweilen einlud, gab es einen ersten längeren Stopp.

Mit Spaß bei der Sache – forsch in den Forst!

Doris Leddin las hier aus ihren Waldgeschichten. Sie bewegte sich mit mehreren Gesten und ihrem ganzen Körper mit ihren im Buch vorgestellten Bäumen mit und zog die Leser so noch tiefer in ihren Bann. Das Rauschen der Bäume im Hintergrund tat sein Übriges, mal mehr mal weniger stark. Je tiefer es wurde, desto bekräftigender war es für das gesprochene Wort. Die Natur an sich spielte an diesem Tag grandios mit. Gerade als Frau Leddin von einem dunkler werdenden Wald sprach, legten sich die Wolken über die Sonne und das Licht wurde dunkler. Herr Klas blies davor und danach in sein Jagdhorn. Die kurzen Stücke insgesamt hatten so klangvolle Namen wie „Sautod“ oder „Rehtod“.

 Sinneswirkung

Nun ging es weiter. Als Nächstes las Eberhard Gabler aus seinem Buch „Die Spielhahnkönigin“. Hier schloss ich meine Augen und ließ alle Sinneseindrücke, allen voran die der Ohren, auf mich wirken. Die Sonne schien warm auf meine geschlossenen Augenlider; immer wenn sie sich verdunkelte, brachte es Erleichterung und Abkühlung und doch wieder Sehnsucht. Ich vernahm das Rascheln des Herbstlaubes, die Menschen um mich herum, wie sie bei lustigen Passagen leise lachten, das dröhnende Donnern des Windes, der die Wipfel bewegte und doch auch mal leise und sanft die Blätter zum Fallen brachte, das Rascheln des Buchpapiers, wenn eine Seite umgedreht wurde, das Knacken des Umschlags des Buches, das Herr Gabler in seinen Händen hielt, seine Stimme, die uns alle mitnahm auf eine kleine Reise…Es war wie ein Erwachen, als der Textausschnitt vorbei war und es dann weiterging. Die Jagd war nun vorbei, wie das Horn uns verkündete.

Herbstlicher Forst

Daraufhin ging es zum Walderlebniszentrum auf den Forsthof, wo letzte Lesungen stattfanden mit Gedichten von Herrn Gabler und einer weiteren Geschichte von Frau Leddin.

Doris Leddin liest…
…ebenso wie Eberhard Gabler

Am Schluss bekam jeder noch Essen und Trinken in reicher Auswahl und konnte noch etwas verweilen und plaudern, bevor sich dann jeder auf den Weg durch den Wald zurück machte zu der Schranke, wo alles seinen Anfang genommen hatte.

Gemütliche Atmosphäre im Wald bei Essen und Trinken

Auf dem Rückweg sah ich ein Schild und ging diesem abseits des breiten Weges nach durch einen kleinen Waldpfad. Es führte zu einem Beobachtungshaus, aus dem man Vögel beobachten konnte. An der Wand hing eine Bestimmungstafel und tatsächlich sah ich mehr als 5 verschiedene Vogelarten! Manchmal sogar ganz nah (5 Zentimeter vor der Glaswand, wo eine Futterstation aufgebaut war wie auch weiter weg). Es war überaus putzig und interessant, anzusehen.

 Die Natur als Teil von uns

Die Natur ist ein Geschenk und das wurde bei diesem Spaziergang deutlich, bei dem alle Menschen zusammen sie betraten und Teil von ihr und ihren Geräuschen wurden. Die gelesene Literatur fügte sich ebenfalls fabelhaft in dieses Sinnesgebilde ein.

Und so kann ich Sie nur einladen, selbst Waldspaziergänge zu machen, die Sinne zu schärfen und sich an der Schönheit des Forstes zu erfreuen! Vielleicht mit einem guten Buch, um bei herbstlichem Sonnenschein noch auf einer Bank zu sitzen und zu träumen… 😉
Übrigens ist das Walderlebniszentrum auch immer gut für einen Spaziergang mit Kindern, da es auch spielerisch viel zu entdecken gibt.

Buchtipps: Eberhard Gabler: Die Spielhahnkönigin; Der mit dem Falken jagt

Fotos: Elisabeth Winkler

27 Jahre alt, Mitarbeiterin in der Sindelfinger Stadtbibliothek seit 2016. Findet gut, „auf ganz unterschiedlichen Kanälen das Interesse für Literatur zu wecken."

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