Thea Dorn und die Bandscheibe

Thea Dorn, die sich ihr Pseudonym – durchaus mit Anspruch – aus dem Namen Theodor Adorno zurechtgebastelt hat, ist in der deutschen Literatur- und Kulturszene (SWR, ARTE, ZDF) ein fester Begriff. Darüber hinaus hat sie prägnante kleine Essays, kundige Sachbücher und tiefe große Romane geschrieben. All dies hilft nichts, wenn man einen akuten Bandscheibenvorfall hat – man kann dann nicht performen. Gute Besserung, Thea! Nicht vergessen: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

In der festen Burg

Die Fangemeinde, die an diesem sonnigen Sonntagmorgen in der Festen Burg

zusammen gekommen war, musste sich also mit ihrem – wie es Kulturamtsleiter Conzelmann nannte – Sidekick begnügen, dem Abteilungsleiter Marketing des Wittenberger Reformationssommers, Christof Vetter.

Der Plan war gut gewesen: Ein fiktiver, laut verlesener Brief Thea Dorns an Martin Luther beklagt dessen „Eventisierung“ im Reformationsjubiläumsjahr und der Event-Verantwortliche antwortet direkt darauf. Schade darum! Das hätte wirklich spannend werden können…

Christof Vetter

Luther und Vetter: Zwei Marketing-Experten

Zumal Martin Luther höchstselbst ein gewiefter Marketer war: Er hat die Möglichkeiten den Buchdrucks als erster extensiv für sich zu nutzen gewusst, indem er Buchtitel und Pamphlete massenhaft unter die Leute brachte. Er hat die Cranach-Werkstatt zu vielfach von Hand kopierten Konterfeis (von sich und seiner Frau) veranlasst und diese dann verkaufen lassen und verstand sich nicht zuletzt wunderbar aufs Storytelling und Legenden-Legen, wenn man an Blitzeinschlag und Tintenfass denkt.

In Wittenberg dabei gewesen sein

Bewundert habe ich, wie geschickt die Herren Conzelmann und Vetter und die Pfarrerin Gerlinde Feine die Gelegenheit nutzten, die geduldigen Zuhörer auf ein Stündlein auf ihren Sitzen festzuhalten und mit Berichten aus Wittenberg zu versorgen. Ausstellungen, Installationen, Konzerte, Vorträge, gemeinsame Gebete, das Panorama – nicht jeder wird es wie ich in diesem Jahr dorthin geschafft haben… macht nichts, in Böblingen konnte man es nachholen.

Die Kulturschaffenden sind nicht verwöhnt

Das ist ja das Schöne an diesen Literaturtagen: Für jeden gibt es etwas im Programm. Und wenn auch vieles gleichzeitig ist: Gut so, muss man sich eben zu Prioritäten zwingen! Ich freue mich, wie viele Zuhörerinnen und Zuhörer sich bis jetzt auf dieses für uns doch neue Format eingelassen haben. Und dass man es bedauert, zu der einen oder anderen Veranstaltungen nicht kommen zu können, weil man schon anderswo zugesagt hat – das tut den Kulturschaffenden mal so richtig gut!

Wer nun traurig ist, dass er dem gewaltigen Wittenberger Prediger vor 500 Jahren nicht selber lauschen konnte, dem empfiehlt sich der Poets & Preachers Slam Workshop nebst dem 1. BB-Predigt-Slam am 3.11. in der Festen Burg und im Alten Amtsgericht, 14.00 und 20.00 Uhr.

schreibt seit 2000 vor allem Kurzgeschichten kriminaler Prägung. Eigener Blog unter www.nessaaltura.de. Freut sich, "dass bei den Literaturtagen viel Regionales geboten wird".

Eine Antwort auf „Thea Dorn und die Bandscheibe“

  1. Ja, schade, dass es nichts wurde mit Thea Dorn – aber Danke an Christof Vetter, dass er den Rollenwechsel vom Interviewer zum Interviewten so souverän meisterte… und dem gar nicht enttäuscht wirkenden Publikum für seine aufmerksame Resonanz….
    Und Stadtkirchen-Pfarrerin Feine (sic!) freut sich auf die Schreibarbeiter_innen beim Predigtslam 🙂

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