Mit den Augen einer Inderin

Die Heilbronner Autorin Sujata Ogale

Sonntag morgen im lichtdurchfluteten und buddha-bestückten Großen Saal des Treffs am See: eine Matinée, zu der der Integrationsrat einlud, gut besucht. Sujata Ogale aus Heilbronn las aus ihren leicht hingetupften Beobachtungen zu Deutschland. Es gehe ihr darum, so sagte sie eingangs, das Bild vom „hässlichen Deutschen“ gerade zu rücken. Sie lebe seit 45 Jahren hier und habe sich immer willkommen gefühlt.

Lebhaftes Interesse

Das Publikum bestand vielleicht zu zwei Dritteln* aus diesen Deutschen, zu einem aus Zuwanderern, meist, so vermute ich, aus Indien. Die Atmosphäre war einander zugewandt, dafür sorgten die Mitglieder des gewählten Integrationsrates, die kurz vor dem Ende ihrer 5jährigen Amtszeit stehen. Sie hatten Kekse besorgt, und Tee für die Pause und allerhand Fragenmaterial in der Hinterhand, falls die anschließende Fragerunde zäh verlaufen wäre.

Der Böblinger Integrationsrat war zahlreich vertreten

Fragen zu Indien

Tat sie aber nicht – man erkundigte sich nach dem Darjeeling Tee (mild), den Religionen (tolerant und Privatsache), dem Kastenwesen (auf dem Land stark, in den Städten gering) und  der Rolle der Frau und erhielt erhellende Antworten. Die Tatsache, dass ca. 40% der weit über 1 Milliarde Inder dem Mittelstand zuzurechnen seien und dass davon wiederum fast 100% der Frauen arbeiteten, überraschte. Arbeiten für Frauen sei einfacher in Indien als in Deutschland, hieß es, weil dort einerseits die Familie die Kinder hüte, andrerseits aber auch zugehende Haushaltshilfen erschwinglich seien. Das wird nicht so bleiben können, denke ich mir da, aber warum soll nicht eine Generation einmal (und vielleicht einmalig) deutlich vom Wandel profitieren?

Und das liebe Geld?

Das indische Bankenwesen sei  fest in Frauenhand. Stichwort: Minikredite für Marktstände. Kann das wahr sein? Während ich noch darüber nachdenke, fällt mir Anshu Jain ein, der forsche Deutschbänker mit seinen Maxiplänen- was macht der eigentlich heute?

*Wie man sich doch irren kann! Ich erfahre soeben, dass von 67 Anwesenden nur sechs indischer und eine(r) pakistanischer Herkunft waren.

Fotos: Andrea Vogelgsang. Mehr zum Buch, zur Bevölkerungsentwicklung in Indien und zum Böblinger Integrationsrat

 

 

schreibt seit 2000 vor allem Kurzgeschichten kriminaler Prägung. Eigener Blog unter www.nessaaltura.de. Freut sich, "dass bei den Literaturtagen viel Regionales geboten wird".

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